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Jöö, wo ist die nächste Vertride-Abfahrt???


FELT REDEMPTION IM DETAIL

Text und Fotos: Christoph Malin

FELT stammt ursprünglich aus dem Triatlon- und Radrennsport, wo mit FELT Bikes nach wie vor jede Menge Siege eingefahren werden. Das zweite grosse FELT-Standbein ist BMX. Hier ist FELT Global Player. Daneben kennt man natürlich auch die FELT Cruiser. Last but not least wird seit einigen Jahren der Mountainbike Hardtail und Fully Bereich stetig ausgebaut. Das FELT Compulsion und Redemption stammen aus der sogenannten » Equilink Fully Linie, deren Urvater "Virtue" mit 130 mm eine neue Marathonbike-Kategorie definierte.

FELT Redemption: Big Bike UND super Kletterer

Das Redemption bietet 165 mm Federweg und ist mit massivem 1.5" Steuerrohr für Gabeln von 160 bis 180 mm geeignet.


Dank des Equilink Hinterbaus ist das Felt Redemption tatsächlich eines der bergauf effizientesten Bikes mit 165mm Federweg auf diesem Planeten.

Gerade bei Vertride Touren, wo man sich den Berg selbst erkämpft, ein nicht unwesentliches Detail. Keine Seilbahn da? Na und... Das Redemption lässt es sich sehr anständig den Berg hochpedalieren, und das ohne "Lockout", "Plattform" oder dergleichen.

Denn je schlimmer der Untergrund, desto grösser wird der "Aha"-Effekt: das Equilink System ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen, selbst brutal ausgewaschene, mit Geröll gefüllte Karrenwege pedaliert man gelassen hoch ohne über jeden Stein zu rumpeln. Anstatt zu bocken, rollt der Equilink Hinterbau geschmeidig über die Steine, krallt sich am Boden fest und lässt das Bike vorwärts marschieren. Genauso geschmeidig pfeift das Redemption über holprige Wurzelwege, es ist schlichtweg kein Pedalrückschlag spürbar, egal ob im Sitzen oder Stehen.

Equilink: Sehr antriebsneutral - Vortrieb pur

Handelsübliche Standardkugellager sorgen für seidenweichen Lauf


Die » Equilink Technologie basiert im Prinzip auf einem VPP-System, dem man aber durch die (etwas rustikal) rot anodisierte "Equilink" Strebe jeglichen Pedalrück- oder Vorschlag abgewöhnt hat. Das Equilink neutralisiert die durch den den Kettenzug resultierenden gegensätzlichen Bewegungen der oberen und unteren Wippe. Mit diesem Kunstgriff lässt sich das langhubige Redemption effizient und effektiv bergauffahren - Single Trails trialn macht wieder Spass!

Dem Equilink Hinterbau ist es übrigens auch egal, ob man hinten in die Eisen steigt oder nicht. Das gefürchtete Bremsstempeln vieler langhubiger Bikes ist beim Redemption kein Thema. Es stellt seinen Federweg bergab auch wirklich zur Verfügung, und geizt definitiv nicht mit Komfort, auch auf den gemeinsten Downhills. Vom seidenweichen Ansprechverhalten her ist der Redemption Hinterbau im Gesamtfeeling trotz Luftdämpfer nur noch marginal von einem Stahlfederdämpfer entfernt - ohne Gewichtspenalty. Die aktiven 165 mm des Redemption fühlen sich so nach viel mehr an, und sind im Setup einfach einzustellen.

Equilink: keine Spezialdämpfer notwendig

Einfache Ersatzteilversorgung: Standard Fox DHX Dämpfer ohne Spezialabstimmung, gibts auch noch in ein paar Jahren


Denn ein Vorteil des Equilink-Systems ist: es funktioniert mit Federbeinen ohne Pedalplattform und sonstige Sperenzchen. Schnelle und einfach Einstellung lautet die Devise! In jedem Felt Equilink Hinterbau kann man tatsächlich stinknormale, handelsübliche Dämpfer einbauen, und braucht keine Spezialabstimmung.

Viele Bikefirmen lassen ihre Bikes mit speziell auf ihre Modelle abgestimmten Dämpfern ausstatten, damit diese nicht wippen, durchschlagen etc. Bei den kurzen Modellzyklen haben so manche Hersteller aber schon nach 2-3 Jahren Probleme, denselben Ersatz-Spezialdämpfer wieder zu liefern. Da steht es dann das teure Fully, und funktioniert mit einem Standarddämpfer nur noch halb so gut.

Kein Problem bei FELT, Equilink macht's möglich: Standarddämpfer ab Werk - einfache Ersatzteilversorgung auch noch Jahre später.

Redemption Fahreigenschaften

FELT Redemption Prototyp bei einem BigMountain Ride


Auf dem Trail legt das Redemption ein überraschend agiles, agressives Fahrverhalten an den Tag. Der für Freeride-Verhältnisse sportlich, aggressive 68.5er Lenkwinkel unserer Serienbikes mit Lyrik und 26" Hinterrad ist leicht erklärt: Das Redemption wurde ursprünglich als Californisches Long-Travel Trailbike konzipiert. Denn mit Redemptions wird in den USA Cross Country gefahren, kein Scherz.

Nur die Kraft des Fahrers begrenzt den Vortrieb. Das Redemption klettert für ein Freeride Bike extrem gut.

In Arizona zB sind die Trails zwar auch oft ruppig und verblockt, aber nie wirklich sehr steil, lange Abfahrten sind selten, Gegenanstiege prägen das Bild. Hier sind Bikes mit viel Komfort, trotzdem effizientem Fahrwerk und agilem Handling im Vorteil = Redemption.

Die US Gene erklären, warum auf dem Redemption auf schnellen, verblockten, welligen Trails so richtig die Post abgeht. Der Hinterbau ist supereffizient, man verschenkt keinen Federweg, lässt keine Kraft in einem wippendenden, pedalrückschlagenden Hinterbau liegen, sondern jeder Pedaltritt wird in reinen Vortrieb umgewandelt. Gegenanstiege? Her damit!.

Für extremere Einsätze empfiehlt sich Herr Totem

Steiles, stufiges, kräfteraubendes Terrain: Mit Totem ist das Redemption auch für schweres Gelände bestens gerüstet und bietet viel Komfort und Kontrolle.


Die echte Vielseitigkeit des Redemption zeigt sich, wenn man es für Dauereinsatz in ultrasteilem Gelände oder Bikepark mit einer Totem impft und ein 24" Hinterrad reinhängt. Kein Problem, der stabile 1.5" Rahmen mit steifem Vorderbau verträgt bis zu 180 mm an der Front, der ebenso präzise Hinterbau ist voll 24" tauglich und fühlt sich sowieso nach weit mehr an. Auf einmal wird aus dem Enduro-Redemption ein stabiles, noch einigermassen leichtes und wendiges VertriderTrialbike für alles, was in Tirol verboten ist.

Mit 24" Hinterrad umgerüstet, steht das Redemption mit einem sehr entspannten 64.5er Lenkwinkel da, ohne dass der Pilot jedoch auf das flinke Handling in engen Kehren verzichten muss.

Ich habe bis jetzt im Grossraum Innsbruck noch kaum einen Switchback gefunden, der mit dem Redemption nicht machbar war. Und macht der Trail weiter unten dann auf und erhöht das Tempo, fährt das Redemption aufgrund des schluckfreudigen, antriebs- und bremsneutralen Fahrwerks ganz vorne mit. So soll es sein.

Keine Kompromisse bei der Kinematik bedeutet erstmal unterbrochenes Sitzrohr. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Bleibt als Wermutstropfen das unterbrochene Sitzrohr des Redemptions, von uns aber mit der stabilen und sehr guten » NC-17 Stütze entschärft. Gründe für das unterbrochene Sitzrohr lt. FELT:

Man wollte bezüglich der Kinematik keine Kompromisse eingehen - die Drehpunkte des Equilink Modells sind je nach Federweg mathematisch in einem bestimmten Bereich vorgegeben. OK, form follows function.

Zweitens fahren die Amis die Redemptions mit hydraulischen Stützen. Zur Eurobike sind einige neue hydraulische Stützen mit mehr Verstellbereich zu erwarten, mal sehen.

Wir haben jedenfalls mit dem Redemption für 2008 ein präzises Werkzeug für brachiale Trails und Erstbefahrungen gefunden, das mit reellen 15.7 kg bei ordentlicher Bereifung bergauf auch noch sehr gut geht und bergab mit einem Fahrwerk punktet, das alle Stückln spielt.

Clever designt - gut geschützt.

Viel Spass
Christoph Malin

© Vertriders.com 2008