Seit November 2007 ist das Alpenverein-Museum ist in der Kaiserlichen Hofburg zu Innsbruck beheimatet und zeigt die wirklich fantastische Dauerausstellung "Berge - eine unverständliche Leidenschaft". Mit dabei: Videosegmente der Innsbrucker Vertrider als Teil der spannenden Videoinstallation "hinunter"!
Fotos: » Alpenverein Museum, Christoph Malin
Was treibt den Menschen in höchste Höhen, auf sturmumtoste Bergspitzen, in unzugängliche Regionen? Diese Frage ist für jene, die dem Gipfelstürmen nicht verfallen sind, nicht leicht zu beantworten. Ja, sie bleibt sogar oft ungeklärt. In diesem Sinne setzten die Kuratoren Beat Gugger und Philipp Felsch die Sammlung des Alpenverein-Museums, das aus dem Stammhaus der Vereins in die Hofburg übersiedelte, neu in Szene und betitelten die Schau: "Berge - eine unverständliche Leidenschaft".
Schuhe von Hermann Buhl (1924-1957), getragen bei der Nanga Parbat Erstbesteigung 3. Juli 1953. – Alpenverein-Museum
So unverständlich, wie es im Rahmen der Ausstellung hie und da behauptet wird, bleibt die Liebe zu den Bergen und dazu, sie zu bezwingen, jedoch nicht.
Ganz im Gegenteil: Auf rund 700 m2 finden sich manchmal durchaus mit einem Augenzwinkern präsentierte, doch immer faszinierende und zugleich berührende Exponate des Bergsteigeralltags.
Nähzeug oder Bergschuhe berühmter Alpinisten, Gemälde und Karten, wissenschaftliche Beiträge, Filme - kurzum alles, was rund ums Bergsteigen von Bedeutung ist, wird in einem dichten, abwechslungsreichen Spannungsbogen präsentiert, der aber dennoch genügend Raum für eigene Interpretationen lässt.
Viele der Bilder, Exponate und Bergsteiger-Schicksale hallen noch lange nach dem Besuch nach, die Wucht dieser Ausstellung muss erst einmal verarbeitet werden. Als besonders beeindruckend seien an dieser Stelle die schon beinahe unheimlich realistischen Landschaftsbilder von Edward Theodore Compton (deren raffinierte Farbnuancierungen gestandene Landschaftsfotografen erbleichen lassen) oder Gottfried Hofer's "Frühlicht in den Dolomiten" erwähnt, das aus etwas Entfernung betrachtet tatsächlich so plastisch wie ein Dia wirkt.
Auch die ausgewählten Portraits namenloser Bergführer des vorigen Jahrhunderts bleiben nicht ohne Wirkung, und wer die Laternbildsammlung genau betrachtet weiss: unsere Altvorderen waren schon damals auf Ski wilde Hunde und mehr in der Luft, als am Boden unterwegs.
Die Ausstellungsarchitektur selbst stammt vom Schweizer Architektenduo "arge gillmann schnegg", gegliedert wurde der Ausstellungsbereich in zwölf Räume, die unter zwölf Mottos gestellt sind: imaginieren - packen - schauen - gehen - Schwindel - rasten - festhalten - durchhalten - oben - erschöpft - hinunter - erinnern.
Anhand dieser Titel werden die Themen "Berg" und "Bergsteigen" aus wirklich allen erdenklichen Blickwinkeln beleuchtet. Eine Orientierungshilfe beim Rundgang durch diese staunenswerte Vielfalt bietet eine Art Wanderkarte, über die die einzelnen Bereiche erschlossen werden können. Wie die Ausstellung selbst sind auch die Wanderkarte und das im Studienverlag erschienene, absolut empfehlenswerte Buch zur Ausstellung gelungene Beiträge zu einem faszinierenden Thema.
Vertrider Mag. Christian Piccolruaz bei einer Erstbefahrung am Gardasse. Segment der Videoinstallation "hinunter" - Alpenverein-Museum
Besonders freut es Leihgeber Christoph Malin, dass Monika Gärtner, seit 1997 Leiterin des Alpenvereinmuseums, Videomaterial der seit 2000 jedes Jahr gewachsenen Vertrider DVD aufgegriffen hat, und von Schweizer Videokünstlern in die Videoinstallation "hinunter" einarbeiten liess.
In spannender Abfolge präzise gemischte Film-Sequenzen beleuchten und illustrieren in diesem Teil der Ausstellung die "Abfahrt, das umgekehrte Erlebnis des Bergsteigens". Und neben Skifahren, Snowboarden und vielen anderen schrägen Arten, Berge "herunterzufahren", gehören eben auch Sequenzen des "Vertridens", der technischen Spezialdisziplin des alpinen Mountainbikens dazu.
Ernst Platz (1867-1940), Schöllhornplatte – Watzmann – Ostplatte, Gouache, 1896. – Alpenverein-Museum
2002 hatten die Vertrider schon einmal Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit dem Alpenverein-Museum. Monika Gärtner realisierte unter anderem die viel beachtete Ausstellung "» vertikal. Die Innsbrucker Nordkette. Eine Ausstellung in der Stadt" (2002), bei der Christoph Malin Bildmaterial beisteuern konnte.
An dieser Stelle möchte ich mich nun herzlich für das Vertrauen bedanken, das uns entgegen gebracht wurde, und zur gelungenen Ausstellung gratulieren, deren Besuch jedem Bergfex und solchen, die es vielleicht noch werden wollen, wärmstens empfohlen werden kann!
Viele Grüsse
Christoph Malin
Infos:
Berge, eine unverständliche Leidenschaft
Ausstellung des Alpenverein-Museums in der Hofburg Innsbruck
geöffnet: tägl. 9:00 bis 17:00 Uhr
letzter Einlass: 16:30 Uhr
» http://www.alpenverein.at/leidenschaft/



