Reif für die Insel
Text: » Christoph Malin Fotos: » Christoph Malin, Christian Piccolruaz, Georg Grogger, Paul Mair, Benedikt Purner
"Von 2500 Meter auf Meereshöhe – die Lust an langen Abfahrten befriedigt La Palma bis zum Anschlag." So ähnlich beschrieb Philipp Foltz von » Atlantic Cycling die Kanaren-Insel La Palma in seiner ersten Kontaktaufnahme mit uns. Und da lange Abfahrten prinzipiell unser Mountainbike Motto sind, konnten wir nicht umhin, Philipp umgehend einen Besuch abzustatten.
Logistik ohne Ende
Gesagt, getan. Eineinhalb Monate später, diverse Material-Logistik-Marathons absolviert (was nimmt man mit, was lässt man da, was braucht man an Ersatzteilen), zischten wir ab auf die Insel. Abflug München 16. Dezember, Rückkehr 23. Dezember. Dem Weihnachtsstress also de facto ein Schnippchen schlagend - diese Vorgehensweise können wir nur weiterempfehlen.
Ankunft
Nach der Ankunft bezogen wir ein schnuckeliges Appartement in Puerto Naos - unsere Homebase für die nächste Woche, nur zwei Minuten vom Strand entfernt.
Vor dem Vergnügen stand aber erst die Arbeit: Auf der Appartement-Terasse wurde geschraubt was das Zeug hielt - Bikes aus den Kartons raus und zusammenbauen. Ausrüstung sortieren. Die genaue Materialplanung im Vorfeld zahlte sich jetzt aus: Kein vergessenes Teil, wichtige Ersatzteile (Schaltaugen, Bremshebel, Ersatzspeichen etc.) waren zur Sicherheit auch als Backup vorhanden. Unglaublich, was fünf Freerider an Equipment (Rucksäcke, Schützer, Schläuche, Reifen...) so auf eine Insel schleppen. Doch Erstens weiss man ja nie, und Zweitens wäre nichts ärgerlicher, als durch einen Defekt vor Ort aufs Bike verzichten zu müssen.
Akklimatisierung
Da wir um diese Jahreszeit nicht wirklich auf dem Bike trainiert waren, wurden an den ersten beiden Tagen nach unserer Ankunft erstmal nach Lust und Laune Cruiser Touren in Angriff genommen, einmal Vormittags, einmal Nachmittags.
"Gemütlich" lautetete die Devise denn auch... Bergauf schon mal locker einrollen, Bergab sich an die Trails gewöhnen. Genau richtig dosierte Trailsampler also, um sich auf die teils sehr felsigen und schottrigen Trails der Insel einzustimmen. Denn das Terrain auf La Palma ist für den Alpin-Biker doch auch ungewohnt, weil teils sehr sandig.
Rahmenprogramm
Nach einem harten Tag Bergradfahren und anschließendem Abhängen am Strand stand natürlich Abends noch der eine oder andere Lokalbesuch auf dem Programm. Die spanischen Bodegas und Lokalweine mussten genauestens getestet werden. Was über die Woche durchaus an die Substanz des einen oder anderen Teammitglieds ging.
In der Regel waren alle froh, in der Früh im Shuttle noch Schlaf nachholen zu können :) Und Erholung, das konnten wir zwischendurch gut gebrauchen.
Vollgas durch die Woche
Denn in der nun folgenden Woche packten unsere Guides Daniel und Philipp ein wahres Trailfeuerwerk aus. Wobei sie einige der Routen erstmals mit uns (oder an uns?) ausprobierten. Sie waren sich zu Anfang gar nicht so sicher, ob uns die Big-Mountain-Trails gefallen würden - doch kein Problem! Denn was wir auf La Palma geboten bekamen, das war Big Mountain Enduro-Trailriding vom allerallerfeinsten. Die erste Big Mountain Week war geboren!
Trailspass ohne Ende - aber nur mit Guide
Man kann die Leistung der Guides hierbei nicht oft genug betonen: Ohne sie wäre man im endlosen Trailnetz von La Palma zwischen Barrancos, an Vulkanrücken, bei Abzweigen in urigen Kiefernwäldern, auf Karrenwegen, Eselssteigen, uralten Pfaden, den Gassen der Dörfer, irgendwelchen Bergstrassen oder sonst wo in der Pampa schlichtweg verloren. Zum Appartment zurück? Hhhm, wo zum Geier war noch mal der Abzweig?
Gigantisches Routennetz ...
Mit welcher Präzision und Akribie, Liebe zum Detail und genialem Blick fürs Ganze die Guides unsere Ansprüche als BigMountain Rider, die von den Alpen her wahrlich verwöhnt sind, mit wirklich phantastischen Trails erfüllten, das ist schon sagenhaft. Hier sind mit Philipp Foltz und Daniel Schäfer zwei hervorragende Rider und Experten am Werk, die genau wissen, wie der perfekte Biketag für den anspruchsvollen Enduro/Freeride-Biker ausschauen muss.
... elegant serviert
Immer wenn wir nach einer Tour dachten: "So, also dieser Tag heute, der ist jetzt nicht mehr zu übertreffen", zauberten Daniel und Philipp wieder einen neuen, noch schöneren Trail aus dem La Palma Tourenrepertoire.
Vulkantrails die man nie vergisst
Besonders die Abfahrten an der Caldera des Roque de los Muchachos, immer wieder mit spektakulären Aussichten auf die grüne Insel und die vom Passatwind herangeführten Nebelmeere gesegnet, gehörten zu den absoluten Highlights der Inselwoche. Es sind Abfahrten die man in ihrer genialen Gesamtheit nie wieder vergisst, und die wohl zum schönsten gehören, was man mit dem Bike auf diesem Planeten machen kann, Grand Canyon, Moab, Alpen oder Kanada hin oder her. La Palma ist anders.
Fahrt durch alle Vegetationszonen
Vor allem die Fahrt durch die Vegetationszonen fasziniert auf La Palma. Weit oben der Ritt über heftige Vulkantrails, mal flowig, mal mit Schlüsselstellen gesalzen, die einer Alpenabfahrt zur Ehre gereichen würden, mal steinig, dann wieder feinster Vulkansand der zu Drifts einlädt - diese einmalige Mixtur bekommt man so in den Alpen nicht geboten.
Urige Kiefernwälder
Der Eintritt aus der Vulkanlandschaft in die dichte, urige Atmosphäre der kanarischen Kiefernwälder gehört ebenfalls zum Schlüsselerlebnis auf La Palma. Es sind Kiefernwälder, deren Boden ein Nadelteppich bedeckt, als würden sämtliche Lärchen Tirols auf einmal ihre Nadeln abwerfen.
Tannenzapfen so gross wie Strausseneier säumen die Bremszonen und halten die Reflexe wach, uralte Trampelpfade, die mit Step-Downs und Floatern nur so gewürzt sind ziehen in die Tiefe, dem Meer entgegen.
Dschungelfeeling
Oder im Norden der Insel, wo nach den Vulkanen und Kiefernwäldern sofort der Dschungel wartet. Rote Erde, schier endlose Abfahrten durch dunkelrote Barrancos aus Tuffstein, natürlich oder von Menschenhand geschaffen (Bewässerung) abwechselnd mit natürlichen, rutschigen, wurzeligen Canyons die mit vielen Sprüngen und Kanten aufwarten.
Der Fahrer wird in diesen Canyons in eine Achterbahn geworfen, die nicht zu Ende gehen scheint. Und 1000 HM weiter unten an den Strand gespült.
Rock the Volcanoes
Sensationell schön sind auch die Touren an den Vulkanrücken im Süden der Insel. Eigentlich hat man hier zwar die Optik, die man auch von anderen Kanaren-Inseln von Magazin-Fotos kennt: Grünes Gestrüpp auf schwarzem Lavaboden... Dennoch machen besonders diese eher schnellen und flowigen Vulkan-Trails besonders viel Spass.
Land in Sicht
Bis man schliesslich wieder auf die Zivilisation trifft dauert es ein paar Stunden, und man kann gar nicht glauben, was die letzten Stunden an verschiedenen Landschaften, Topographien, Morphologien gebracht haben. Zusammen mit der wirklich feinen Atmosphäre durch die freundlichen Einheimischen und die angenehmen Ausgehmöglichkeiten am Abend, ist dies ist der spezielle Mix, den La Palma für den abenteuerlustigen Enduro/Freerider bereithält.
Die Heimat ruft
Leider ist aber auch die schönste Bike-Woche irgendwann zu Ende, und so mussten wir nach einem der lässigsten Events, die wir jemals gemeinsam gemacht hatten, dann doch wieder nach Hause in den Schnee. La Palma, die Big Mountain Week, und die beiden Guides Daniel Schaefer Philip Foltz von Atlantic Cycling bekommen von uns das Gütesiegel "Vertriders Choice" verliehen!
Fazit: La Palma, das ist wie eine Woche Heliskiing im Kaukasus. Keine Bullshit Trails sondern großes Kino gewürzt mit feinsten, abwechslungsreichen und landschaftlich spektakulären BigMountain Touren... wir kommen wieder!!
Viele Grüsse
Christoph Malin
LA PALMA FAQ
| Frage | Antwort |
| La Palma mit GPS auf eigene Faust? | Nicht empfehlenswert, denn das Routennetz ist weitverzweigt. Auch wenn man ein GPS hätte, mit dem man die Routen nachfahren kann, geht bei den vielen, teils versteckten Abzweigen die die Routen beinhalten der Flow komplett verloren. Auch ist die Navigation in den Dörfern mit ihren vielen Gassen, Karrenwegen etc. schwierig. La Palma ist ohne Guides wirklich nicht zu empfehlen, denn man hat nur eine begrenzte Zeit, und will diese nicht mit Wegsuchen verplempern. Wir sind von den Trails der Alpen her wirklich verwöhnt, und haben in der Big Mountain Week jeden Tag nur Trails vom feinsten serviert bekommen. |
| Wozu die Shuttles? | Ohne Taxi geht es auf der Big Mountain Week in La Palma nicht - doch die Taxis (Kleinbusse) sind durch die Gruppengrösse in der Regel bestens ausgelastet. Die Auffahrten auf Meereshöhe zu den Tourstarts hoch oben in den Vulkanbergen sind so lang und anspruchsvoll, dass die wenigen, die es ohne Taxi probiert haben, auf den langen Abfahrten aufgrund von Konditions- und Konzentrationsproblemen echt Troubles bekommen haben. Wer aufgrund einer Konzentrationsschwäche mitten in den Vulkanbergen stürzt, wird sich mit Rettung holen eher schwer tun. Auch liegen Tourstart und Tourenende auf der Insel oft so weit auseinander, dass man sich ohne Transfer ohnehin schwer tut. |
| Wozu einen Reiseveranstalter? | Schon alleine die Shuttle-Logistik ist ohne Unterstützung vor Ort durch einen Reiseveranstalter nur sehr komplex und schwierig zu handhaben. Auch hat ein Veranstalter wie » Atlantic Cycling sehr gute Preise bei Shuttles und Appartements, die in den Packages durchaus an die Kunden weitergegeben werden. Die Guides kennen ausserdem die besten Locations auf der Insel, bieten ein feines Abendprogramm und wissen wo es empfehlenswert ist zu essen und auszugehen. |
| Weitere Infos | LA PALMA |
| Artikel | Der Artikel als PDF: "Vertriding LaPalma", » Mountain BIKE Magazin 12/07 [763 KB] |
| Video | » "Vertriding La Palma" |
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