Text: Christoph Malin
Biken auf alpinen Steigen oder Wegen wird bei uns derzeit recht gut toleriert, allerdings von Region zu Region verschieden.
Besonders durch HotSpot Bildung durch das gedankenlose Posten von Touren und GPS-Tracks in Foren, oder reisserische Artikel mit ungeeigneter Routenauswahl wurde schon viel Schaden verursacht.
Um die Akzeptanz und Toleranz unserem Sport gegenüber zu verbessern, sollten die folgenden Verhaltensweisen bitte berücksichtigt werden.
- Hot Spots meiden! „Hot Spots“ sind populäre Routen, die zu stark frequentiert werden, dadurch entstehen Konflikte mit anderen Wegenutzern und Wegehaltern. Hot Spots einfach meiden, dann wird sich die Situation dort wieder normalisieren.
- Keine Routen-Postings in Foren - Bildung von „Hot Spots“ vermeiden! Behaltet eure Traumtrails für euch - sie werden es euch danken. Touren/Bildveröffentlichungen sensibler/konfliktträchtiger Routen ohne konkrete Ortsangaben. Das hilft, neue Hot Spots zu vermeiden.
- Keine GPS-Tracks in Foren posten! GPS Tracks kann heute jeder Trottel nachfahren. Doch Achtung: ein GPS Track sagt erstens überhaupt nichts über die Schwierigkeit oder Gefährlichkeit einer Tour aus. Zweitens: Kommt jemand aufgrund eures Tracks zu Schaden, seit ihr haftbar. Und auch GPS Tracks erzeugen Hot Spots.
- Alpine Gefahren beachten, Risiko minimieren! Die Berge verzeihen KEINE FEHLER. Defensive Fahrweise wählen, sich und andere nicht gefährden. Mit der richtigen Ausrüstung an Bekleidung und Werkzeug unterwegs sein. Wetter, eigene Möglichkeiten, Fahrkönnen und Kondition nicht überschätzen.
- 0,0 Promille! Leider nicht selbstverständlich. Dabei wirkt sich Alkohol - selbst in geringsten Mengen - schon in leichterem bis mittelschwerem Gelände fatal auf die Konzentration aus.
- Erste Hilfe Set! Der letzte Fahrer der Gruppe sollte immer ein Erste-Hilfe-Set dabeihaben.
- Aufeinander warten! Der schwächste Fahrer der Gruppe bestimmt das Tempo. Die Gruppe ist ausgewogen zusammenzusetzen. Niemand darf mit der geplanten Tour überfordert sein, weder bergauf, noch bergab. Bergab Sicherheitsabstände einhalten.
- Konditions- und Konzentrationsmanagement! Bergaufrennen beim alpinen Freeriding vermeiden. Es fehlt dann bergab an dringend benötigter Kraft und Konzentration -> gefährlich. Genügend zu Essen und zu trinken mitnehmen, sowie einen Notfall-Riegel gegen Hungerast.
- Kleine Gruppen! Massenaufläufe von Bikern im Gebirge verursachen Unruhe und Probleme (vgl. Hot Spots). Max. 6 Biker pro Gruppe, bis zu 4 ist besser. Sonst Gruppe splitten und mit einem Zeitabstand von mindestens einer halben bis zu einer Stunde versetzt starten.
- Ellbogen- und Knie-Protektoren! Grundausrüstung, wie der Helm. Ohne Protektoren zu fahren ist uncool und dumm. Denn es gilt den Worst Case zu vermeiden: Schlechtwetter, 2.000 m, letzte Abfahrt, Sturz mit Knie oder Ellbogen in Stein. Weiterfahrt durch höllische Schmerzen unmöglich. Hubschrauberbergung wegen Schlechtwetter unmöglich. Nächster Unterstand/Hütte 2h Fußmarsch. Situation: Beschissen! Deine Buddies müssen Dich jetzt vom Berg runtertragen. Anschliessend zwei Monate Saisonausfall wegen Verletzung, während Deine Buddies fröhlich biken gehen. Vermeidung: Protektoren und defensive Fahrweise (Vgl. Alpine Gefahren!)
- Helm! Freeride Halbschalenhelm ist ideal, und macht uns nicht anonym. FullFace Helme erzeugen oft Angst und Aggressionen bei Wanderern, passen besser in den Bikepark.
- Bergschuhe! Trittsichere Bergschuhe (mit denen ein Umknöcheln verhindert wird, Vgl. Protektoren) sind Grundausstattung. Rutschige BMX-Schuhe sowie Klickpedale haben im Gebirge nichts zu suchen, und erhöhen nur das Risiko eines Sturzes beim Abstieg in unwegsamem Gelände durch ausrutschen oder hängenbleiben im Klickpedal.
- Bremsspuren vermeiden! Bremsspuren sind uncool, und verursachen Erosion. Erosion verursacht Schäden an den Wegen, und erhöhte Instandhaltungskosten bei den Wegehaltern. Kurven und Serpentinen deshalb NIE abschneiden; Hinterrad versetzen macht eh mehr Spass.
- Kontrollierte Fahrweise! Geschwindigkeit so wählen, dass jederzeit sicher vor einem Hindernis gestoppt werden kann.
- Steinschlag beachten und vermeiden! Auf keinen Fall Steinschlag verursachen, aber auch auf Steinschlag von oben achten. Bei Auslösung „Achtung: Steinschlag!“ rufen. Tipp: Beim Aufstieg durch steinschlaggefährdetes Gelände Helm anziehen.
- Wetter beobachten! Tour sorgfältig planen! Vor Tourstart Wetterbericht einholen. Auf der Tour laufend Wetterentwicklung beobachten. Wenn nötig sofort umkehren/abfahren. Route vorher genau planen, damit im Notfall eine sichere Abfahrt möglich ist, und nicht lange nach dem Weg gesucht werden muss. Im Gebirge treten Gewitter und Wetterstürze extrem schnell auf - eine tödliche Gefahr! Vor dem Tourstart Partner oder Freunden IMMER das Tourenziel, den geplanten Routenverlauf und ungefähre Rückkehrzeit bekanntgeben.
- Vorrang für Wanderer! Bei Wanderern immer rücksichtsvoll und freundlich sein. Kündige Dich laut und deutlich mit einem freundlichen „Hallo!“ an (eine Klingel erschreckt, also lieber grüssen). Anhalten, zur Seite stehen und den Weg freimachen. Bei Konflikt nicht weiters auf unrichtige Argumente eingehen (Diskussion sinnlos), freundlich verabschieden und Fahrt alsbald fortsetzen.
- Nicht lärmen! Maul halten - Dein Bike klappert schon laut genug. Lautes Rufen und Lärmen im Gelände stört Wildtiere und ärgert andere Menschen, die sich erholen wollen.
- Schutzzonen und Schonzeiten beachten! Wild gewöhnt sich zwar an vieles (auch an uns Biker), braucht aber trotzdem Rückzugsgebiete und Schutz, vor allem in der Schonzeit. Also nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit fahren! Falls es sich nicht vermeiden lässt, nur auf Wegen fahren, die auch tagsüber stark frequentiert sind, da ist das Wild mehr gewöhnt.
- Keinen Müll hinterlassen!
- Fahrgemeinschaften bilden! Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Tourstarts kommen. Falls nicht möglich, bitte Fahrgemeinschaften mit dem Auto bilden.
- Alpenvereinsmitglied werden! Alpenverein und Deine lokale Alpenvereinssektion unterstützen! DAS sind die Leute, die ehrenamtlich Wege instandhalten, neue bauen, Schutzhütten erhalten, Ausbildungsprogramme anbieten, und nicht zuletzt dafür kämpfen, dass die Natur im Alpenraum auch für zukünftige Generationen möglichst gut geschützt und erhalten bleibt. Zeige Deine Wertschätzung, und werde Mitglied!

