Extreme Trockenheit: Dosiert bremsen - Erosion vermeiden! How-To Video!

Alle Jahre wieder herrschen - so wie zuletzt - extrem trockene Bedingungen vor. Auf den Trails staubt es richtig.



Besonders in den nördlichen und südlichen Kalkalpen und Regionen wie zB dem Karwendel oder den Dolomiten trifft man nun vermehrt auf den Wegen auf Rollschotter, ansonsten griffige Trails sind auch im Wald auf einmal sehr rutschig.

Die Ursache: Rollschotter wirkt wie ein Kugellager unter den Reifen, und erschwert punktgenaue Bremsungen. Durch die enorme Trockenheit fehlt Feuchtigkeit als bindendes Element dass das lose Gestein zusammenhält. Dadurch steigt die Anfälligkeit eines Weges auf Bodenerosion durch Blockierbremsungen besonders stark. Gerade bei extrem trockenen Verhältnissen ist es daher wichtiger denn je, Blockierbremsungen speziell am Hinterrad so gut wie möglich zu vermeiden.

Dies wird natürlich um so schwieriger je steiler das Gelände ist, da sich die Radlastverteilung zu Ungunsten der Hinterbremse ändert. So lasten auf dem Vorderrad in starkem Gefälle schnell einmal 80% des Gewichts und auf dem Hinterrad nur noch 20% oder sogar weniger. Klarer Fall, dass hier an der Hinterbremse eine sensible Hand gefragt ist. Aber auch in weniger steilem Gelände kann die Vorderbremse prinzipiell immer mehr Bremskraft übertragen als das Hinterrad. Die Folge: Ungewollte Blockierbremsungen am Hinterrad. Und die sollte man auf Trails nach Möglichkeit vermeiden!



Gute Bremsdosierung kann man üben, doch davor steht die Sensibilisierung des Fahrers: achtet einmal auf einer Trail-Abfahrt für ein paar Minuten genau auf euer Bremsverhalten! Wie oft fahrt ihr unbewusst mit blockierter "Handbremse" auf Trails? Hhm, oft? Das muss eigentlich nicht sein. Überdenkt eure Bremstechnik.

Vor allem: Ein Reifen der rollt anstatt zu blockieren bietet mehr Traktion und Sicherheit - ihr werdet mit einem rollenden anstatt blockierten Hinterrad nicht nur schneller und leiser sondern auch sicherer unterwegs sein.

Klar, auf abgesperrten Rennstrecken ist ein kontrollierter Drift über beide Räder für Profis das Mittel zum Zweck, und auf speziellen Biketrails hilft ein blockiertes Hinterrad ab und an dabei einen Fahrfehler zu korrigieren und sich noch durch eine Kurve zu retten in die man eigentlich zu schnell gefahren ist. Aber eben nur auf abgesperrten Trails. Denn diese Strecken werden von den Betreibern gewartet und Instand gehalten, Schäden durch Bremserosion (hoffentlich) im laufenden Betrieb ausgebessert.

In 99% der Fälle sind wir jedoch auf Wanderwegen zu Gast, die die Alpenvereine, der Bund, Grundeigentümer und andere Wegehalter warten, und sollten uns entsprechend rücksichtsvoll und vorrausschauend - auch bei unserer Bremstechnik - verhalten (auch wenn uns die Bike-Magazine weltweit mit Fotos blockierter Hinterräder oftmals etwas anderes suggerieren, aber Magazine übernehmen nur selten Verantwortung für das Verhalten ihrer Leser).



Wer clever ist, bremst dosiert und schont dadurch nebenbei auch noch seinen Geldbeutel (Reifen- und Bremsbelagsverschleiss), die Trails und die Umwelt. Echte Profis werdet ihr wie weiter oben geschrieben sehr selten und wenn dann nur in Ausnahmesituationen mit blockiertem Hinterrad antreffen. Echte Profis sind schnell, smooth, leise und sicher ohne blockiertes Hinterrad unterwegs.

Last but not least bieten wir unseren Kritikern, die sich ganz besonders - und zurecht - an Bremsspuren von Bikern auf Wegen echauffieren, durch die Vermeidung von Blockierbremsungen einen Angriffspunkt weniger.

Und das ist wohl in unser aller Interesse.

In diesem Sinne wünsche ich weiterhin eine gute Saison und viele schöne Touren!

Herzliche Grüsse
Christoph Malin

PS: ein kurzes Video zum Thema "Vermeidung von Bremsspuren" auf einem extrem trockenen, steilen Trail findet ihr hier:
http://vimeo.com/17319345. Entstanden im Frühjahr '09, absolviere ich hier einen rutschigen, trockenen Trail nicht mit Fokus auf Geschwindigkeit (das kann jeder) sondern auf maximale Blockierbremsungsvermeidung (sehr anspruchsvoll - wer genau schaut sieht dass es mir im Video auch nicht immer in allen Passagen zu 100% gelingt, da der Weg extrem rutschig war). Meine Motivation: Da ich diesen Weg auch in Zukunft noch fahren möchte, versuche ich Bremsspuren so gut wie möglich zu vermeiden.
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