(Little) Big Mountain Nr. 2

Donnerstag Abend. Bleistift im Büro zur Abwechslung maximal pünktlich fallengelassen, und ab in die Lizum auf einen Nightride mit Gerhard, Bertl, Gordon, Geli und ein paar anderen netten Menschen. Wahnsinnswetter und Stimmung, Traumpanoramen in der Abendsonne. Innsbruck - Du bist ein Hit, die schönsten Berge gerade um die Ecke. Mir kommt ein Jobangebot eines Bikemagazins aus einer Deutschen Stadt mit sumpfig, faden Trails ohne Berge in den Sinn, dass ich einfach ablehnen musste. Ohne Berge kann ich nicht sein. Bertl meint dazu nur trocken: "Welchen Teil von 'meinem geilen Leben' haben die nicht verstanden?" Die Sonne geht unter, und die Sterne auf. Ich fotografiere bis spät in die Nacht, während sich die Crew eine Grillage gönnt bevor sie sich in ihre Schlafsäcke verkrümelt - Langzeitbelichtungen und Sternenhimmel, auch das ist eine Passion meinerseits. Die Abfahrt im Scheinwerferlicht der Lupine ist lang und einsam, und noch einmal sind 100% Konzentration gefragt - wie immer ein eindrückliches Erlebnis im Grenzbereich. Doch genau diese Touren sind es, an die man sich noch Jahre später erinnert!

Biiiig Mountain Nr. 3

"Hey Mellin, Zeit für a Fahrtl? I bin mal wieder im Lande. Und Du wolltescht mir ja amal die 20 km Singletrailrunde um Innsbruck zeigen". Stimmt, an dieser - einer meiner liebsten Feierabendrunden bzw extrem einsamen Nightrides - habe ich lange getüftelt. Sie erinnert mich sehr an eine der schönen Vulkanrouten auf La Palma. Und wenn der Pauli, mein Lieblingsbergführer und Ehrenvertrider aus Zirl anruft, dann heisst es: Big Mountain (egal ob Sommer oder Winter). So auch auf dieser leider im Detail nicht publizierbaren (auf manchen Abschnitten starkes Wandereraufkommen am WE) Runde. Sie ist aber auch nicht jedermanns Sache: die Abfahrt geht nach einem kräftezehrenden Anstieg von knapp 2600 m in vielen Kehren auf sehr steinigem Terrain immer wieder gewürzt mit XC Abschnitten manchmal flowig aber auch wieder anspruchsvoll bis nach Innsbruck hinunter. Eine Königstour - aber etwas anderes wäre einem Bergführer von Format ja auch nicht würdig :)

Biiiig Mountain Nr. 4

Hurra,

was da doch für ein traumhafter Big Mountain im Zillertal wie ein Klotz in der Landschaft steht. Dankenswerterweise führt eine Seilbahn hoch, die einem etwas Arbeit auf dieser grossartigen Kammbefahrung abnimmt. Dennoch sind es über den Tag verteilt immer noch 1650 HM auf, knapp 3000 HM ab und 33 km Distanz. Das meiste Singletrails, und davon auch viel fahrbar, bergauf wie bergab. Bedeutet: treten, fighten, hämmern, cruisen, schnaufen, freuen, trialn, tragen, schieben. Für
Gerhard, Sylvia, Martin1, Geli, Gordon, Martin 2 und meinereiner jedenfalls eines der Highlights dieses Jahr. 10 h später landeten wir ausgepowert aber happy wieder in Mayrhofen - und nur eine Stunde später wurde es dann schon dunkel. Glück gehabt. Next year we'll be back!

Hitzeschlacht!

Text: Christoph, Fotos: Christoph, Vincent, Florian.


"Endlich Sommer", konnte man aufgrund des Traumwetters am Wochenende sagen. Dass es dabei in der Euphorie zu einem Fehler in der Tourplanung kommen würde, war wohl unvermeidlich.


Denn dass es keine gute Idee ist, einen 1700 HM rampendurchsetzten Südhang über dem Inntal so ca. ab der Mittagszeit hochzufahren weiss man eigentlich - vergisst man aber vor lauter Freude über blauen Himmel auch mal. Wie das so ist, folgte die Ernüchterung sofort nach der ersten Kurbelumdrehung vor Ort. Temperaturen dass der Asphalt schmolz, zudem war noch (aufgrund der doch kalten Witterung der Vorwochen) ein Vorderreifen mit weicher Gummimischung montiert. Die sich dann auch von der schwerstrollenden Seite zeigte. Na toll :) Wenn schon, denn schon!


Gefühlte 35 Grad Glutofen machten mürbe, und liessen einen Teil der Truppe etwas früher wieder abfahren, während Sylvia und ich uns letztlich doch noch bis zum Gipfel kämpften an dem ein feiner, kühler Wind wehte. Wenigstens etwas!


Die Aussicht nach Norden und zum Alpenhauptkamm war zwar wie immer schön, aber gleichzeitig ernüchternd, wieviel Schnee durch das schlechte Maiwetter da doch noch wirklich liegt! Massig, massig, massig... besonders am Hauptkamm.... Das wird noch ein bisschen dauern bis die Weisse Pracht weggeschmolzen ist...

In der Zwischenzeit werden wir halt ab und an noch ein bissl im Schnee wühlen gehen. Ist aber wenigstens fein kühl.

Herzliche Grüsse
Christoph Malin

Vertriding at it's best

Text und Fotos: Christoph Malin, Artikelauszüge Bike 1/10 siehe Bike-Magazin



Bike Reporter Legende Lesewitz in Innsbruck

Henri Lesewitz ist eine echte Legende unter den Bike Reportern, und mit allen Wassern gewaschen. Einer meiner absoluten Lieblingsautoren in der Magazin-Szene, der weiss worüber er - mit viel Soul - schreibt.

Doch der Spezialist für 24h Rennen, Langstreckenrennen wie die Crocodile Trophy und ähnliche Grenzerfahrungen menschlicher Leistungsfähigkeit verzichtet an diesem Reportage-Tag erstmals in seinem Leben aufs Bike um einen Singletrail zu Fuss zu bewältigen.

Denn wie im Vorfeld der Reportage angedroht, drücke ich Henri ein Paar Wanderschuhe und Teleskopstöcke in die Hand. Henri schluckt trocken, aber er geht dann wirklich zu Fuss mit mir mit. Eine weise Entscheidung.

Zum Lokalaugenschein kommt das komplette Liteville Vertrider Team: Die Cracks Axel, Sylvia und Martin natürlich auch Evergreen Picco, „Mr. NKST“ Christof, Gerhard und Benni.

Die beiden letztgenannten können sich an ihre letzte Vertride-Tour kaum noch erinnern. Der Sommer am Nordpark war mit Streckenneubau, Sanierung und Rennorganisation komplett ausgefüllt. Egal.

Nach einem klassisch steilen Aufstieg folgt bei Traumwetter eine Hardcore-Abfahrt - speziell im oberen Teil gespickt mit Schlüsselstellen, die die meisten beim Rauftragen noch für unfahrbar hielten.

Henri bekommt jedoch letztlich das gezeigt, was er sehen will: „Möglichst krasses Terrain, extreme Action“, so sein Wunsch im Vorfeld.

Wir erfüllen ihm den Wunsch mit einer - der Jahreszeit entsprechend möglichen - schweren S4-S5 Route, und ich fotografiere was meine
Nikon D700 hergibt. Diese Route ist eine meiner absoluten Lieblingstouren die ich 2003 - freilich bei den S5 Passagen nur ansatzweise - erstbefahren habe. Sie ist im oberen Teil so extrem, dass man selbst beim Wandern Probleme hat zu gehen, aber wenigstens bei Bergläufern recht beliebt.


Verletzungsbedingte Zurückhaltung

Zwar haben Sylvia und Team Neuzugang Christof Pfeifer es sich an diesem Tag nicht nehmen lassen, wie immer ihre Bikes auch hochzutragen.

Doch leider sind beide an den extremen Schlüsselstellen verletzungsbedingt aus dem Rennen.

Sylvia mit einer Knie-Kreuzband OP vom Herbst 08’ - ein Sturz wäre fatal. Christof’s linkes Sprunggelenk schmerzt durch eine Zerrung in der Vorwoche, und lässt sich kaum belasten.

Beide können jedoch wenigstens ab dem Mittelteil der Abfahrt die Strecke einigermassen geniessen.


S5 Schlüsselstelle gemeistert

Bei Benni bewirkt die lange Tourenabstinenz und die einmonatige Pause Wunder, und er kann wie Martin alle Schlüsselstellen inklusive der ultraschweren S5-Passage im oberen Drittel (oder ist es eine S6/G4 ?) meistern, was ihn selber wohl am allermeisten verwundert.

Axel, Picco und Gerhard fighten um jeden Zentimeter, und haben dabei jede Menge Spass.

Henri ist baff.

Dass die Fahrer dieses Terrain meistern würden, hätte er nie im Traum gedacht.

Und so zeigt sich nicht zum ersten Mal dass die technische Schwierigkeit und die enormen fahrtechnischen und physischen Herausforderungen des Vertridings einer - im Aufstieg gar nicht mal so extremen - Big Mountain Vertriding Session von Aussenstehenden wirklich erst realistisch bewertet wird, wenn sie es mit eigenen Augen live gesehen haben.

Vertriding Mainstream? Nein!

Henri: „Das sind die extremsten Aktionen die ich in einem derartigen Gelände auf Bikes jemals gesehen habe! Wenn sich jemand erdreistet zu meinen Vertriding sei in den letzten Jahren ‚Mainstream‘ geworden, dann täuscht er sich gewaltig - der soll hier mal auf allen Vieren herunterkrabbeln, wo ihr mit den Bikes noch fahrt. Das was ihr hier zeigt ist ultrakrass, und kann niemals Massentauglich sein!“

Der mehr als gelungene Foto-Tag geht dank der hervorragenden Leistungen der Fahrer dann ohne nennenswerte Stürze zu Ende.

Ab der Mitte der Strecke lassen Henri und ich es gut sein, und entlassen die Meute, damit diese die restliche Abfahrt geniessen kann.

Beim Abstieg philosophieren wir genüsslich über Grenzbereiche des Mountainbike-Sports. Henri hat seinem Erfahrungsschatz heute definitiv eine weitere Grenzerfahrung hinzugefügt - seine Augen leuchten.

Der rasende Reporter rollt alsbald mehr als beeindruckt retour nach München, und wundert sich nach eigenen Aussagen „die ganze nächste Woche in der Redaktion über den ärgsten Muskelkater“ aller Zeiten.

Tja, und ich selbst? Bekomme auch einen ordentlichen Muskelkater... Meinen 15 kg Fotorucksack habe ich auch schon lange nicht mehr zu Fuss einen Berg hoch- und wieder runtergetragen.

Da ist mir das Bike als Transportmittel dann doch lieber ;)

Last but not least geht mein Dank an Henri Lesewitz und das Bike-Magazin für diese Reportage, und an das gesamte Team für diesen fantastischen Fototag.

Viele Grüsse
Christoph Malin

Weitere Infos:
Zum Artikel-Download (pdf) hier...

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