Von Betonschädeln und einem Mordversuch - die DH Szene am Lanser Köpfl sorgt für Zündstoff!

Seit 10 Jahren gibt es den Downhill Spot "Lanser Kopf", in Innsbruck - er war noch vor dem Nordketten Singletrail da. Seit ca. 6 Jahren treibt nun am Lanser- und Viller Kopf ein Irrer sein Unwesen, und hat zuletzt mit einem Stahlseil in Kopfhöhe eine tödliche Falle gebaut - nur durch Glück kam ein 13-Jähriger Biker nicht zu Tode. Gibt es Wege aus dem Dilemma? Ein Aufruf...
Seit 10 Jahren gibt es den Downhill Spot "Lanser Kopf", in Innsbruck - er war noch vor dem Nordketten Singletrail da.

Innsbrucker DH/Freeride-Szene Originale sind am Lanser Kopf gross geworden, haben international ihren Weg in die Weltranglisten gemacht, weltbekannte Freerider wie Brett Tippie, Tyler Klassen oder Tarek Rasouli haben uns am Lanser Kopf besucht. 

Die Innsbrucker Freeride Gruppe "Vertriders" hat damals mit den Grundstein für die Szene dort gelegt, aber nur eine ungefähre Vorstellung davon dass 10 Jahre später das liebe "LaKoe" immer stärker von DH Bikern frequentiert würde, was natürlich auch Gegner auf den Plan ruft.

Das Miteinander ist halt nicht immer so einfach. Die Vertrider sind aber Erfinder des "Ehrenkodex", einer Sammlung von Verhaltensregeln für Biker, die mittlerweile international anerkannt verwendet wird. Wer diese Regeln beachtet, leistet einen direkten Beitrag für unseren Sport.

Gab es also vor 10 Jahren nur eine "Strecke" am Lanser Köpfl, und waren wir noch zu viert oder fünft unterwegs, so sind heute 10 oder mehr Tracks vorhanden, liebevoll gehegt und gepflegt von Locals die hier ihr Refugium gefunden haben, und im - anspruchsvollen, im Vergleich zu den IVB Transporttarifen natürlich deutlich teureren - Nordketten Singletrail keine Alternative sehen. Über 100 Biker und mehr pro Tag an starken Wochenenden bringen die IVB zudem an die Grenze ihrer Transportkapazitäten, sodass ein IVB Taxi Shuttle zusätzlich eingesetzt werden muss.


Seit ca. 6 Jahren aber, treibt nun am Lanser- und Viller Kopf ein Irrer sein Unwesen, und hat zuletzt mit einem Stahlseil in Kopfhöhe eine tödliche Falle gebaut - nur durch Glück kam ein 13-Jähriger Biker nicht zu Tode. Und es ist der prominenten Stellung seines Vaters und Skispringer Trainers Alex Pointner zu verdanken, dass nun ENDLICH auch die Medien auf das Dilemma aufmerksam geworden sind: Grosse Biker Szene am LaKoe, nach wie vor keine legale Betätigung!

Aber nun? Weitermachen? Business as usual?

NEIN.

Als Familienvater finde ich es schlicht eine Ungeheuerlichkeit, dass ein Unbekannter dort Drahtseile gegen Biker spannt, oder Nagelbretter vergräbt usw. Und es kann Jogger und Spaziergänger genauso treffen. Was kommt als nächstes?

Liebe Medien und Politiker, wir können heute FROH sein um JEDEN EINZELNEN Jugendlichen der biken geht und sich in der Natur sportlich betätigt - und sei es mit dem Downhillbike - anstatt im Rapoldipark Drogen zu konsumieren, Koma zu saufen, Schlägereien in den Innsbrucker Bögen zu veranstalten oder Zuhause vor der Playstation Egoshooter zu spielen bis es ihm irgendwann aushängt, und er sozial vereinsamt in einer Schule Amok läuft.

Es kann doch nicht sein, dass Jahr für Jahr massiv Steuergelder in die Jugendkriminalitätsbekämpfung gepulvert werden, wenn man mit einer gewachsenen, anständigen Jugendszene am Lanser Köpfl - die nach Möglichkeit bei gemeinsamen Ausfahrten auch noch ehrenamtlich betreut wird - eine echte Alternative hat, in der Jugendliche effektiv integriert - aber gleichzeitig immer noch kriminalisiert werden.

Unsere Plattform Vertriders.com ist durch die langjährigen Kontakte in die Fahrradindustrie und zur Special Interest Medienlandschaft in den letzten Jahren auch immer wieder ein Sprungbrett für junge Biketalente aus Tirol gewesen, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten gefördert haben, und fördern. Das freut uns besonders, aber es gleichzeitig macht es uns betroffen, was für ein Bild die jungen Biker ab und zu von uns Erwachsenen haben müssen, wenn Betonköpfe ihnen ihren Lieblingssport madig machen, und sie kriminalisieren.

Ich erinnere: diese Kriminalisierung einer Sportart hatten wir vor 15 Jahren oder mehr beim Snowboarden genauso. Heute sind von diesem etablierten Wintersport Arbeitsplätze bei Seilbahnen, im Sportfachhandel, in Gastwirtschaften, Nächtigungsbetrieben usf abhängig. Lasst uns nicht dieselben Fehler wie damals wieder machen.

Downhiller SIND KEINE KRIMINELLE - Downhillen IST GANZ GENAU DAS GLEICHE WIE Skifahren im Winter, mit LIFT und PISTE. Nur halt im SOMMER. Man kann damit Geld verdienen, und ist nicht Schneeabhängig. Der Ressourcenverbrauch ist im Vgl. zu einer Skipiste bei einem normalen Singletrail minimal.

Schaffen wir noch mehr Infrastruktur dafür, kurbeln wir damit auch nachhaltig die Wirtschaft an. Ein ganzer Wirtschaftszweig, der Sport- und Fahrradfachhandel lebt direkt davon - der Radsport boomt auch in Zeiten der Krise stabil, und mit ihm der DH Sport als eine Variante. DH ist cool, und die Jungen können sich damit identifizieren… 

Fortschrittliche Tourismusregionen im In- und Ausland haben das Sommerpotential längst erkannt, und nutzen die Seilbahnkapazitäten in Verbindung mit optimierten Streckenangeboten. 

Doch wir Tiroler geben lieber noch immer massiv Geld für gigantische Speicherteiche aus, anstatt einen lächerlichen Bruchteil dessen zB in einen ordentlichen, familientauglicheren Bikepark am Patscherkofel oder zB der Mutterer Alm zu investieren (vom Hoffnungsprojekt Bikepark Berger Alm einmal abgesehen, das leider bauliche Verzögerungen hinnehmen muss).

Fazit: Biken, egal ob Downhill oder BMX (danke an dieser Stelle an das Bikeshop "die Boerse" fuer die unermüdliche Jugendarbeit in diesem Bereich) ist für die Jugendlichen ein Ventil und eine Möglichkeit an der vielfältigen Herausforderung des Downhillsports zu wachsen (Kondition, Koordination, Kraftausdauer, Fahrtechnik, Materialkunde uvm), die Natur zu erleben, und in sportlichem Miteinander mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein.

Wer im DH Sport gut sein will, musst fit sein und Köpfchen haben. Downhill ist SUPERANSTRENGEND - auch am Lanser Köpfl - und fordert Kraft und Kondition. Respekt vor jedem Jugendlichen der sich hierfür Ziele setzt und der Herausforderung stellt. 

Und wenn unsere jungen Leute am Lanser Kopf ihr Refugium gefunden haben (um später dann, wenn sie besser werden auch den Nordketten Singletrail zu entdecken), sollten am LaKoe endlich auch legale Mountainbike Strecken realisiert werden, und zwar nicht erst in 10 Jahren sondern hier und jetzt. Und ihnen nicht dauern Prügel in den Weg gelegt werden.

Wir begrüssen daher die Initiative "Freunde des Lanser Kopfes" des Vereins Trailsolutions aufs allerhöchste, und rufen alle Biker in Tirol und dem Umland auf, am Freitag dem 18.6. um 15:00 bei der Demo am Landestheater Innsbruck und später bei der Petitionsübergabe (mit Freunden, Familie, Gleichgesinnten) ein Zeichen zu setzen.

Denn ein Drahtseil ist genug.

Christoph Malin

Vertriders.com