Respect the Locals
Text:
Christoph Malin
Das Biken auf alpinen Steigen oder Wegen wird derzeit (in Tirol) geduldet,
und damit das so bleibt sollte man nie vergessen, dass man auf den Single Trails zu Gast
ist und sich dementsprechend verhalten! Also: respektiert andere Wegbenutzer, schätzt die Natur
und die Berge. Wir wollen die Natur erhalten. Denn ohne Natur kein Vertriden…
Der Ehrenkodex der Innsbrucker Vertrider verschafft euch Klarheit über die
Do’s und Don’ts auf Single Trails:
- Hot Spots meiden. Als Hot Spots werden populäre Routen bezeichnet, die aufgrund
verschiedener Faktorenkombinationen (z.B. einfache Strecke, landschaftliche
Schönheit etc.) viel frequentiert werden, bzw. massentauglich sind (z.B. keine
längeren Tragepassagen). Auf diesen Strecken herrscht eine hohe
Bikerfrequenz (speziell an Wochenenden). Es kommt zu Konflikten mit anderen
Wegbenutzern und Wegehaltern. Durch falsche Fahrtechnik und zuviel Frequenz
wird natürliche Bodenerosion verstärkt.
Wenn immer mehr Biker Hot Spots meiden,
wird
sich die Situation dort wieder normalisieren.
- Bildung neuer Hot Spots vermeiden. Öffentliches Posten von Routen in
Internetforen? Bitte nicht. Sonst werden diese Routen schnell zu Hot Spots,
und schlimmstenfalls an Wochenenden mit Ridern überschwemmt, die nur Trails konsumieren
wollen, anstatt sich ihr eigenes Abenteuer zu suchen. Seht eure Verantwortung und
behaltet eure Traumtrails für euch - sie werden es euch danken. Wenn ihr Bilder
oder Videos von euren Touren veröffentlichen wollt, tut dies in jedem Fall ohne Ortsangabe.
- Alpine Gefahren beachten, Risiko minimieren. Das Gebirge ist kein Spielplatz,
und verzeiht NIEMALS Fehler.
Deshalb defensiv fahren und sich und andere nicht gefährden. Mit der
richtigen Ausrüstung an Bekleidung und Werkzeug unterwegs sein, die eigenen
Möglichkeiten, Fahrkönnen und Kondition nicht überschätzen.
- Erste Hilfe Set mitnehmen. Ein Fahrer der Gruppe sollte immer ein Erste-Hilfe-Set
dabeihaben, und er sollte als letzter fahren.
- Aufeinander warten. Der schwächste Fahrer innerhalb der Gruppe bestimmt das
Tempo. Die Gruppe sollte möglichst ausgewogen zusammengesetzt, und
niemand mit der geplanten Tour überfordert sein, weder bergauf, noch bergab.
Bitte im Vorhinein klären.
Bei der Tour Bergab Sicherheitsabstände einhalten.
- Kondition einteilen und nicht überschätzen. Bergaufrennen mit Freeride-Bikes ist
beim Vertriden fehl am Platz. Es fehlt dann Bergab die Kraft und Konzentration, die man
auf einer anstrengenden Abfahrt benötigt.
- Gruppengröße klein halten. Massenaufläufe von Bikern im Gebirge sind zu
vermeiden, da sie nur Unruhe und Probleme verursachen (siehe auch Hot Spots).
Max. 5-6 Biker pro Gruppe sind wirklich genug.
- ELLBOGEN- und KNIE-Protektoren auf Tour mitnehmen. Ohne Protektoren fahren nur
Idioten. „Ohne Protektoren fahre ich technisch sauberer und sicherer“. Aha?
Wenn man nicht angegurtet ist, fahren automatisch alle anderen Autofahrer besser?
Einem Stein ist es komplett wurscht, ob Du supercool ohne Protektoren fährst, er zertrümmert
Dir einfach Dein Knie oder Deine Ellbogen...
Worst Case: Bei Schlechtwetter auf 2.000 m mitten in einer langen Abfahrt, weitab der
Zivilisation mit ungeschütztem Knie oder Ellbogen krachst Du bei einem Sturz in einen Stein
und kannst nicht mehr weiterfahren. Eine Hubschrauberbergung ist notwendig. Du gefährdest
nicht nur Dich selbst, sondern auch die Gruppe. Denn bei Schlechtwetter können
keine Hubschrauber starten. Und was dann, Schlaumeier? Die Nacht ist lang, kalt und dunkel.
- Richtiges Schuhwerk. Trittsichere Bergschuhe (mit denen ein Umknöcheln
verhindert wird) gehören zur Grundausstattung. Rutschige Skateboard- oder BMX-Schuhe
sowie Klickpedale haben im Hochgebirge nichts zu suchen.
- Wann immer möglich Bremsspuren vermeiden. Bremsspuren verstärken Erosion.
Deshalb Kurven und Serpentinen unbedingt ausfahren und nicht abschneiden. Wenn ihr
ein Problem mit engen Serpentinen habt, übt Vorderrad- und Hinterrad Umsetzen (Nosewheelie).
- Kontrollierte Fahrweise. Die Geschwindigkeit so wählen, dass man jederzeit
rechtzeitig vor Hindernissen stehen bleiben kann.
- Steinschlag beachten und vermeiden. Bitte auf gar keinen Fall Steinschlag verursachen,
und auch auf Steinschlag von oben achten, sei es durch andere Wegbenutzer oder auch Wildtiere.
Falls man doch Steinschlag verursacht hat, laut und deutlich rufen: „Achtung: Steinschlag!!“
- Wetter beobachten. Am Tag vor der Tour Wetterbericht für die Region einholen.
Während der Tour Wetterentwicklung beobachten (Gewitterneigung etc., starker
Temperatur oder Baromaterabfall innerhalb kurzer Zeit, zB weniger als ½ Stunde).
Tour wenn nötig sofort abbrechen und umkehren/abfahren. Gewitter und Unwetter
im Gebirge können bei Wetterstürzen extrem schnell auftreten und tödlich sein.
- Wanderer und andere Wegbenutzer haben Vorrang. Wanderer waren vor uns da,
deshalb rücksichtsvoll sein, zur Seite stehen und den Weg frei machen.
Für die, die es noch nicht wissen:
Im Gebirge
grüsst man einander.
- Ruhe im Wald. Lautes Rufen und Lärmen ist im Interesse aller Waldtiere und der
Menschen, die sich dort erholen wollen, absolut zu vermeiden.
- Keinen Müll hinterlassen. Zigarettenkippen, Aludosen, Plastikverpackungen... haben
im Gebirge nichts verloren. Wenn man an einem Weg Müll findet, und sei es nur ein Bonbonpapier,
bitte mit ins Tal nehmen. Die Natur wird's euch danken.
- Fahrgemeinschaften bilden. Man oft hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln
zu Tourstarts kommen. Probiert es aus. Wenn dies nicht möglich ist,
bitte Fahrgemeinschaften mit dem Auto bilden.
© Vertriders.com 2007