| NIGHTRIDING SPECIAL |
Seegruben Revival III - Sechs Mander und die Gruabn
Fotos & Text: Christoph Malin
Eigentlich wollten wir ja das Revival wie jedes Jahr am 13. Dezember durchziehen, aber erstens wäre der 13. ein Samstag (nicht Familienkompatibel) gewesen, und zweitens waren für Freitag endlich Schneefälle angedroht. Deshalb beschließt das Team, das Revival auf den 11. Dezember vorzuziehen. Ein Blick auf die Nordkette über der Stadt mit der "Gruabn" zeigt: Bis fast hinauf zum Bergrestaurant ist der Berg aper (schneefrei)!
Wer als gestandender Innsbrucker in dieser Woche des 13. Dezembers hinauf zur Gruabn schaut, die ein jämmerliches, schneeloses Bild bietet, sollte sich dabei eigentlich was denken.
Nach Hin- und Her im Vertrider/GAMS-Forum steht bald fest: Christoph, Georg, Knotsch (Mag. Christoph Kovacs), Marco, Reini und Thomas sind dabei. Kurzfristige Absagen gibt's auch, von Hias ("Bin zu müde und erschöpft"), und Günther Roggenhofer ("Hob I vagessen, etz isch zu spät"). Andere wären gerne mitgekommen, sind aber beruflich verhindert (Leo, Roli, Alex, Picco, Georgy, Pauli...). Treffpunkt ist 19:00 Uhr am Nordkettenbahn-Talstation-Parkplatz auf der Hungerburg.
Vertrider Tagebuch Eintrag 14506, Sternzeit 06: "Es isch 17:00 Uhr, I schmeiss an Germknödel in an Topf. Naja, man kann ja nie wissen. Die Gruabn isch steil, hart, unerbittlich. 17:30: Der Germknödel mundet vorzüglich. 18:30: Ich hole Reini in Hall ab, der sich herrlich über sein neues 24" Hinterrad für's Scott freut, und wir düsen auf die Hungerburg".
Die Auffahrt verläuft im wesentlichen für alle (bis auf mich) ohne größere Probleme, allerdings zeigen sich ab der 3er-Stütze auf 1800 m erste konditionelle Verschleißerscheinungen. So mancher, der bis jetzt durchgefahren ist, schiebt zur Erholung ein bissl, mancher aber auch schon länger, trara. Aber wen wunderts, nach einem langen Arbeitstag noch 1080 Höhenmeter hochtreten, ist auch nicht immer so einfach. Knotsch will's wissen, und gibt seinem Focus Enduro die Sporen. Er wird der erste auf der Gruabn sein!
Vertrider-Tagebuch: "Die Stimmung ist einfach nur gewaltig. Wir haben die Lampen bergauf längst ausgeschaltet, denn bei dem Mondlicht brauchst fast eine Sonnenbrille. Mich plagt aber was anderes. Heilige Sch... So kurz vor einer Tour wie dieser einen Germknödel zu essen, war wohl die blödeste Idee seit Monaten. Ich komm mit dem Puls nicht runter, und kenn mich hinten und vorne nicht mehr aus. Deshalb schiebe ich schon weit vor dem Rastlboden. Die Jungs lachen mich fast schon aus. Wartet nur, ihr Säcke, abwärts werd ich euch zeigen wo der Hammer hängt. Im oberen Teil der Rampe fahre ich nochmal zwei, drei Minuten bis die anderen auch schieben. Besser so!"
Nach rund zwei Stunden Aufstieg ist es geschafft, wir sind oben!! Knotsch ist bis auf die letzten eisigen 50 Höhenmeter praktisch fast alles durchgefahren, und Georg war knapp dahinter. Gratulation! Wir Nachzügler können es kaum fassen, im Restaurant findet eine Veranstaltung statt - "Freunde des Nordparks", wie wir kurz danach erfahren - na super, da passen wir ja perfekt dazu. Auf ein warmes Getränk zusammensitzen, umziehen im Warmen, traumhaft.
Unten leuchtet die City, oben der Mond, sogar die Sterne sind zu sehen. Wow, moderne Digitalkameras wie die Nikon D100 haben's drauf. |
Und: Licht an! Von links nach rechts: Tom, Georg, Knotsch, Marco, Reini und Christoph als Silhouette. | Rund eineinhalb Stunden später stehen wir auf 1900 m und freuen uns wie die Schneekönige. V.l.n.R.: Christoph, Knotsch, Tom, Reinei, Marco, Georg. | Die Vertrider am Einstieg des Wegeles. | Tom zieht einen Wischer hinterher. |
| Der erste Preis für Mustergültiges Olschool Outfit geht an Marco: Hier mit Jeans in einer etwas schwierigeren Stelle. | Auch für Reini, unseren Ältesten ist diese Passage kein Problem. Mit 24" hinten hat sein Scott ohnehin seit neuestem beste Trial-Qualitäten! | Der Tom pilotiert sein Scott-Hardtail die Passage runter, daß es nur so raucht. Z150FR sei Dank! | Wenn der Georg im Frühjahr '04 seine Drohung wahrmacht, und auf einen echten Freerider-umsteigt, wow, dann müssen wir uns warm anziehen. | Der Fotograf darf als letzter auch noch durchfahren. Dank an Knotsch fürs Auslösen! |
Vertrider-Tagebuch: "Bin auch nach 20 Minuten Pause immer noch völlig am Ende. Bekomme kaum irgendwas runter und schaue warscheinlich höchst kariert drein, bis auf einen heißen Tee geht gar nix, soviele wunderbare Schokokekse mir Thomas auch unter die Nase hält. Innsbrucks oberster Stadtförster lädt uns alle auf einen 'Piff' ein. Sehr netter Mensch. Wir sitzen noch ein Weilchen, und der Förster ist sehr daran interessiert zu erfahren, warum wir uns so eine Aktion antun, spürt aber unsere Begeisterung für den Berg und die Bikes, und das taugt ihm. Respekt. Um 23:00 verzupfen sich die Veranstaltungsgäste in die Bahn. Fein. Wir machen uns fertig. In klirrender Kälte schiessen Thomas und ich Erinnerungsfotos mit den Nikon's, ich digital, Thomas analog. Bald darauf: Die erste kurze Abfahrt auf Schnee - Juchee!! Auf der Querung zum Wegeinstieg hat es ein bissl Schnee. Danach nicht mehr. Der Trail ist knochentrocken und supergriffig, weil gefroren."
An der ersten Schlüsselstelle schieße ich noch ein paar Action Shots mit Stativ.
Vertrider-Tagebuch: "Die Geduld der Jungs ist beachtenswert. Schlüsselstelle runterfahren, hochtragen, runterfahren. Aber sie wissen, für ein gutes Nightride-Image braucht der Herr Fotograf halt seine Zeit, speziell wenn die Kamera auf dem Stativ steht, und ganz sicher um 23:20 Nachts bei heftigen Minusgraden. Marco macht Beleuchtungsmodel, bis ich endlich die Einstellung gefunden habe, bei der halbwegs alles passt. Das sagenhafte Glitzern der Stadt, das Leuchten der Berge einzufangen, und dabei auch noch die Biker in Bewegung scharf zu bekommen, ist jedesmal eine Herausforderung! Knotsch ist so nett, und drückt auf den Auslöser damit ich auch mal vor der Kamera bin - es entsteht einer der besten Nightride Shots des Abends - 1000 Dank Knotsch!! Danach lassen wir es gut sein, und genießen die Abfahrt mit den vielen technischen Passagen zu Beginn des Trails ausgiebig, um uns warm zu fahren."
An diesem Abend sind alle bergab einfach gut drauf. Spätestens nach einem Stückchen Weg wird einem ohnehin richtig warm. Es wird viel probiert, vieles gemeistert, manches verweigert, viel gelacht und gestaunt, und rund eineinhalb Stunden später rollen wir fröhlich auf dem Parkplatz aus. Keiner hat sich weh getan, alle haben ein echtes Bergabenteuer erlebt. Knotsch verabschiedet sich leider schon früh, aber die verbliebenen Rider gesellen sich noch auf ein Pago oder ein Bierchen ins Siglu, das anläßlich der Veranstaltung am Berg noch bewirtschaftet ist.
Fazit: Ein echter Nightride-Klassiker mit schönem Ausklang. Und eins ist fix: Germknödel taugen für solche Aktionen eher nur am Vorabend. Geschneit hat es am Freitag übrigens, wie auch das ganze Wochenende nicht. Da bin ich mit dem Riko tags darauf gleich noch über ein Inntal-Jöchl drüber ... Verrückte Welt.
>>> Hier gehts zur Story und den Bildern vom 2004er Revival.
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